Mittwoch 12.05.10, 22:00 Uhr

DGB: JedeR Achte wurde 2009 arbeitslos

Nach Informationen des DGB haben im Jahr 2009 “über 15.200 sozial versichert Beschäftigte in der Stadt Bochum ihren Job verloren”*. Doch fast 13.000 haben durch hohe Fluktuation am Arbeitsmarkt auch wieder einen neuen Job gefunden. „Während die einen arbeitslos werden, finden andere zum Teil auch in der Krise noch einen neuen Job”, sagte der DGB-Vorsitzende Michael Hermund und betonte, dass wegen der nach wie vor großen Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt das Entlassungsrisiko der Beschäftigten weit größer sei als häufig unterstellt. Immerhin jeder Achte Beschäftigte ist im Laufe des vergangenen Jahres arbeitslos geworden. Andere hingegen haben auch im Krisenjahr 2009 wieder einen Job gefunden, so dass sich der Beschäftigungsbestand per Saldo bisher erfreulicherweise nur um 2.100 sozialversicherte Jobs verringert habe. **
Es sei aber erschreckend zu sehen, wie viele neue Arbeitslose direkt ins Hartz IV-System abrutschen, sagte Hermund. „Bereits ein Viertel derjenigen, die aus sozialversicherter Beschäftigung arbeitslos werden, geraten in die Hartz IV-Falle. Obwohl sie zuvor Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben, erhalten sie keine oder eine so niedrige Unterstützungsleistung der Arbeitslosenversicherung, dass sie verarmen und auf staatliche Fürsorge angewiesen sind.
Um das Verarmungsrisiko von Arbeitslosen zu verringern, sollten sie bereits dann Leistungen der Arbeitslosenversicherung erhalten, wenn sie in den letzten drei Jahren vor der Arbeitslosigkeit mindestens ein Jahr sozialversichert beschäftigt waren”, forderte Hermund. Bisher würden nur Zeiten der letzten zwei Jahren berücksichtigt. Zugleich plädiere der DGB für ein befristetes Überbrückungsgeld von einem Jahr für alle Arbeitslosengeldempfänger, die in der aktuellen Krise unverschuldet arbeitslos werden. „Es ist schon schlimm, dass etliche Beschäftigte allein wegen der Spekulationen der Finanzhaie ihren Job verlieren. Nun muss verhindert werden, dass Menschen, die jahrelang gearbeitet haben, nicht nach kurzer Zeit verarmen und den Gang zu den Hartz IV-Behörden antreten müssen”, betonte Hermund.

Hintergrund:
* Gut 80 Prozent dieser Arbeitskräfte war zuvor auf dem regulären Arbeitsmarkt beschäftigt. Dies waren rd. 12.200 Menschen, die ihren sozialversicherten Job auf dem ersten Arbeitsmarkt verloren haben. Weitere 3.000 Menschen übten zuvor eine befristete Beschäftigung auf dem zweiten Arbeitsmarkt aus, die öffentlich gefördert wurde.
** Von September 09 bis September 10 verringerte sich die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten um 2.151 auf 122.713. Stellt man diesem Beschäftigungsbestand Übergänge von Beschäftigung in Arbeitslosigkeit gegenüber, so sind im Laufe des Jahres immerhin 12,4 Prozent arbeitslos geworden

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13. Mai. 2010, 14:19 Uhr

LeserInnenbrief von Norbert Hermann:

Lt. Mitteilung der ARGE Bochum vom 22.12.2009 wurden bislang weit über einhunderttausend erwerbsfähige Menschen von der ARGE „betreut“ – hinzu kommen die nicht erwerbsfähigen Angehörigen (u.a. die Kinder).

Zitat: „…Dabei hat die ARGE Bochum zwischen 2005 und heute insgesamt weit über 100.000 arbeitslose Bochumerinnen und Bochumer betreut…“

http://www.arge-bochum.de/SinglView.792+M5b481fc329a.0.html

Und das bei grad mal 380.000 EinwohnerInnen!

Bochum schrumpft allerdings. U.a. auch deswegen, weil jährlich (statistisch ermittelt) mindestens zehn Menschen sich unter Hartz IV das Leben nehmen.

In Bert Brechts Film “Kuhle Wampe” begeht ein Arbeitsloser Selbstmord. Er springt aus dem Fenster. Der Erzähler und Sprecher im Film sagt lakonisch: “Wieder ein Arbeitsloser weniger”.


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