Sonntag 28.02.10, 09:00 Uhr
Phillippa Yaa de Villiers / Südafrika

„Original Skin”

A One-Woman-Performance

Am Sonntag, den 7. März ist um 20.00 Uhr im Bahnhof Langendreer die künstlerische Verarbeitung eines dramatischen Schicksals in Südafrika unter der Apartheid zu sehen: „Original Skin”. In der Ankündigung heißt es: »Phillippa Yaa führt uns an viele Schauplätze: Immer wieder in ein Kinderzimmer, aber auch in den Schulbus, an die Uni und an andere Orte. Die Reise durch Raum und Zeit imaginiert die südafrikanische Künstlerin allein mit sich, mit ihrem Körper und – auf die traditionelle afrikanische Geschichtsüberlieferung zurückgreifend – mit „story-telling”. „Original Skin” zeigt die Geschichte eines Adoptivkindes, das nicht nur von seinen leiblichen Eltern getrennt aufwuchs, sondern darüber hinaus in eine ihm rassisch fremde Welt verpflanzt wurde. Die südafrikanische Dichterin und Theatermacherin verarbeitet in diesem Stück ihre eigene ungewöhnliche Biographie als Kind einer weißen Australierin und eines schwarzen Afrikaners.
Phillippa Yaa de Villiers Mutter wurde von ihren Eltern gezwungen, das Kind in Südafrika zur Welt zu bringen und gleich danach zur Adoption frei zu geben – in den 1960er Jahren im Apartheid-Südafrika, in dem die Menschen streng in rassische Kategorien eingeteilt und alle Nicht-Weißen diskriminiert wurden. Erst nach dem Ende der Apartheid konnte die Autorin die Spurensuche ihrer Herkunft aufnehmen, die sie in „Original Skin” veröffentlicht.
Auf eindrückliche Weise geht sie dem Trauma ihrer vielfach gebrochenen Identität nach und verknüpft so biografische Erzählung und Gesellschaftskritik. In ihrem Solotheaterstück verwendet sie vielfältige theatralische Formen – körperbezogene ebenso wie Puppenspiel. Mit Fotos, historischen Dokumenten und Sound-Clips skizziert sie unterschiedliche Zeiten und Charaktere. Ihr Spiel mit wechselnden Perspektiven schafft eine lebendige Verbindung zwischen persönlichem Erleben und gesellschaftlichem Kontext.
Das Stück wurde am berühmten Market Theatre in Johannesburg uraufgeführt und inzwischen bei mehreren internationalen Theaterfestivals begeistert aufgenommen. Für ihre Arbeit erhielt Phillippa Yaa de Villiers mehrfach Auszeichnungen, ebenso wie ihre Regisseurin Vanessa Cooke (eine der Mitbegründerin des Market), die sie auf ihrer Deutschlandreise begleitet.«

Studio 108
AK: 13 €
erm.: 8 €

2 LeserInnenbriefe zu "„Original Skin”" vorhanden:

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28. Feb. 2010, 15:33 Uhr

LeserInnenbrief von OMG:

“sondern darüber hinaus in eine ihm rassisch fremde Welt verpflanzt wurde.”

Was für Rassen?
Rassenideologie hat hier nichts zu suchen!


 

1. Mrz. 2010, 00:56 Uhr

LeserInnenbrief von Dagmar Wolf:

Liebe OGM,

da hast Du gut gelesen und bist genau auf die Stelle gestoßen, bei der ich beim Übersetzen und Zusammenfassen die meisten Probleme hatte…

Natürlich hat Rassenideologie hier und überhaupt niegendwo was zu suchen. Aber wir reden von Verhältnissen im rassistischen Apartheidsregime Südafrikas. Menschen wurden dort in Kategorien “nach Rassen” eingeteilt. Diese dort herrschende Rassenideologie hat was mit den Menschen gemacht, nicht allein auf der Gesetzesebene, nicht allein auf der sozialen und auf der physischen Ebene, sondern auch psychisch. Verinnerlichungsprozesse haben z.B. spezifische Ängste verstärkt und auch Unterlegenheitsgefühle hervorgebracht. Der Kampf gegen die legale Apartheid war in Südafrika erfolgreich. Der Kampf gegen die Vorstellung von “unterschiedlichen Rassen” muss (auch dort) noch länger geführt werden, bis dieses Konzept aus den Köpfen und psychischen Strukturen der Menschen verschwunden ist. Das Stück “Original Skin” handelt genau davon.

Hätte ich hilfsweise den Begriff der Hautfarbe herangezogen, hätte ich nicht deutlich machen können, dass in Südafrika die Kategorisierung nach “Weißen”, “Schwarzen” und “Coulereds/Farbigen” die Dinge real noch schwieriger gestaltet hat, und ich hätte mit einer solchen “Übersetzung” noch größere Unklarheiten bewerkstelligt. Auch eine freie Übersetzung wie “eine ihr kulturell fremde Welt” wäre komplett daneben gewesen, ungenau oder sogar falsch. Denn eine “kulturell fremde Welt” war auch dem Buren vom platten Land z.B. eine liberale und menschenrechtsorientierte weiße Szene in der Stadt.

Der Begriff der Rassen existiert in allen mir bekannten Sprachen, obwohl die Idee von “Rasse” objektiv eine falsche ist. Wenn wir also über ein rassistisches Regime und dessen Auswirkungen sprechen wollen, müssen wir gelegentlich auf diese Begrifflichkeit zurückgreifen, um das Verbrecherische daran klar zu machen. Andere, klügere Leute als ich, die unter dem rassistischen Regime auch auf intellektueller Ebene den Widerstand vorangetrieben haben, haben dazu Ausführliches geschrieben und z.B. uns in Europa auch sehr dabei geholfen, die Vorstellung von “Rasse” abzulehnen. Hier ist nicht der Platz, um das weiter auszuführen, aber es ist gut, wenn dieses Problem mehr und breiter diskutiert wird – denn, das weißt Du ja sicher auch, populär ist das Wissen, dass es die Unterscheidung von Menschen nach “Rassen” dummes Zeug und falsch ist, noch lange nicht.

Phillippa Yaa und Vanesa Cooke sind nach der Aufführung noch zum Gespräch mit dem Publikum im Bahnhof Langendreer. Ich hoffe, Du kommst, siehst Dir das Stück an und diskutierst hinterher mit ihnen und den anderen ZuschauerInnen.

Freiheit und Glück! Dagmar Wolf


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