Montag 08.02.10, 19:00 Uhr
Samstag: Demonstration gegen das Gänsereiten

Gans schön widerlich

Für Karnevalsamstag, den 13. Februar ab 12 Uhr rufen TierrechtlerInnen; TierfreundInnen und TierschützerInnen auf dem Dr.-Ruer-Platz zum Protest gegen das jährlich stattfindende Gänsereiten in Bochum-Höntrop und Bochum-Sevinghausen auf. Das Bochumer Bündnis für Tierrechte fordert das Verbot des Gänsereitens mit echten Gänsen und schreibt: »Die Bochumer Behörden haben die Zeichen der Zeit verpennt – Gänsereiten mit echten Gänsen muß unterbunden werden. Das Kinderkönigsreiten in Bochum Höntrop wird seit dem Jahr 2006 ohne Gänse durchgeführt. Angesichts dieser positiven Entwicklung muß nun auch die Verwendung von echten Gänsen bei dem Gänsereitern der Erwachsenen untersagt werden. Der Ordnungsamtsleiter der Stadt Dortmund hat bereits vorgemacht, wie man mit solch längst überholten und barbarischen Festen wie dem Gänsereiten umgehen muß. Er hat das dortige Spektakel abgeschafft, um Kinder vor Gewaltdarstellungen und Gewaltverherrlichungen zu schützen. Die Stadt Bochum sollte in Sachen Tierschutz einfach mal Nachhilfe aus Dortmund holen.
Dass beim Kindergänsereiten nun, 34 Jahren nach seiner Einführung, keine Tierleichen mehr verwendet werden, ist ein längst überfälliger Schritt gewesen. Doch auch dieser war nur halbherzig und heuchlerisch, denn was ist mit den Kindern, die die Leichenfledderei beim Gänsereiten der Erwachsenen in der ersten Reihe stehend mitverfolgen? Sie werden weiterhin ihren großen Vorbildern und Vorreitern nacheifern. Kinderpsychologen und Pädagogen haben schon lange erkannt, dass vorgeführte Gewalt- Darstellungen in Filmen, in den Medien oder im realen Leben kleine Kinder und Jugendliche ebenfalls zu gewalttätigem Verhalten animiert. Weder die Tiere noch die Kinder werden beim Gänsereiten mit entsprechendem Anstand, Respekt und Würde behandelt. Und den Werdegang der von dem spanischen Kriegstraining im Mittelalter „verführten“ Menschen beschreiben die Höntroper Gänsereiter in ihrer Vereins-Zeitung 2002 selber:
Dort heißt es zur Geschichte des Gänsereitens: Auf den Höntroper Bauernhöfen …. „werden heimlich ein paar Junggänse aufgehängt und das Halslangziehen nachgeahmt. Nur so aus Spaß. Die Wissbegier, wie sich so ein glattgerupfter Gänsehals anfühlen würde, wie lange ein sehniger Kopf dem kraftvollen Zerren standhalten würde, ist stärker als die angeborenen guten Manieren. Im Grunde ist man eigentlich sittsam, ehrbar, tugendhaft und gehorsam. Doch dieses neue Spielchen entwickelt sich schnell zum beliebten Wettkampf, obwohl er im Grunde unanständig ist.“ Wohl bemerkt, dies ist ein Zitat aus der Höntroper Gänsereiter Zeitung.«

14 LeserInnenbriefe zu "Gans schön widerlich" vorhanden:

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8. Feb. 2010, 22:38 Uhr

LeserInnenbrief von Thomas:

Nun liebe Tierschützer, die beiden Gänse, denen in Wattenscheid der Kopf abgerissen wird, sind doch wenigstens schon tot – leid tun mir immer die armen Pferde, die von den übergewichtigen Joppenträgern unbeholfen zwei Stunden durch den Parcour getrieben werden.


 

9. Feb. 2010, 00:42 Uhr

LeserInnenbrief von Ben:

Ein eindeutig mit rhetorischen Mitteln wie Übertreibung, etc. spielendes Zitat als Agenten für die eigene Argumentation zu nutzen ist – gelinde gesagt – peinlich. Aber jeder dekontextualisiert halt gerne, wenn es ihm gerade gut passt..

Ansonsten ist’s doch amüsant, wie hier ein alternativer Auswuchs der regionalen Kultur dem Mainstream und pc-Gebrabbel geopfert werden soll, ein bäuerlicher und in seiner Tradition als Karnevaleske die Herrschaft angreifende Brauch unter die Räder eines die Welt gleich machenden Kulturimperialismus gerät..

Viel Spaß beim Lesen:

http://rotwang.blog.de/2009/02/22/standpunkt-gaensereiten-5629873/


 

9. Feb. 2010, 00:50 Uhr

LeserInnenbrief von Ben:

Oh, kleiner Nachtrag:

“Kinderpsychologen und Pädagogen haben schon lange erkannt, dass vorgeführte Gewalt- Darstellungen in Filmen, in den Medien oder im realen Leben kleine Kinder und Jugendliche ebenfalls zu gewalttätigem Verhalten animiert.”

Basierend auf dieser Aussage dürfen wir also annehmen, dass Bo-Alternativ jetzt also staatliche Zensurinstrumente wie die Internetzugangserschwerung, den Index und die Beschlagnahmung bestimmter medialer Kunstwerke unterstützt? Denkt ihr eigentlich auch noch mal darüber nach, was ihr schreibt? Ihr könnt doch nicht so einen unwissenschaftlichen Mumpitz (für jede Studie für diese these gibt es eine dagegen) schreiben, ohne mal darüber zu sinnieren, was das in der Konsequenz bedeutet… Sorry, aber wer so einen Satz schreibt, der ist genauso alternativ wie ein BWL-Stehkragen-Bausparer.


 

9. Feb. 2010, 01:43 Uhr

LeserInnenbrief von Lisa Leustner:

@ben: Dein Beitrag ist in mehrfacher Hinsicht nicht sonderlich qualifiziert. bo-alternativ hat selber überhaupt nichts zu dem Thema geschrieben. Wir wurden als Leser informiert, dass es eine Demo gibt und was die Organisatoren dazu schreiben. bo-alternativ ist einfach ein tolle Informationsquelle.
Wenn Du das nicht merkst, dann unterschreitest Du intellektuell das Niveau von BWL-Stehkragen-Bausparern.
Und: Die von Dir kritisierte Feststellung ist in der Wissenschaft ziemlich unstrittig.
Wenn Du uns sagen willst, dass Zensur kein geeignetes Mittel gegen die Verherrlichung von Gewalt ist, dann hast Du allerdings wahrscheinlich recht.


 

9. Feb. 2010, 01:56 Uhr

LeserInnenbrief von Ben:

@Lisa: Na und? Es gibt eine Redaktion, die hier die Kommentare moderiert. Also muss es doch auch eine Redaktion geben, die die Texte vor der Veröffentlichung gegenliest. Oder kann hier jeder Tünnes sein Zeugs veröffentlichen? Nein. Also, wo bleibt die Differenzierung von solchen Sätzen, der redaktionelle Hinweis darauf, dass man als Redaktion nicht d’accord geht mit dieser rechts-konservativen Sicht auf neue Medien?

Dann nenn mir jetzt mal ein paar Studien zu dem Thema, die genau das beweisen. Das zentrale Fazit einer in Australien mit Kindern durchgeführten Studie zu Gewalt in Games lautet, “dass zwar einige Menschen geringfügige Steigerungen oder Senkungen ihres Wutzustands zeigten, die Mehrheit aber keine Veränderungen des Wutzustands aufwiesen”. Die Studie ist von 2007, also recht aktuell. Ähnliche Ergebnisse erzielte eine Studie von Neurowissenschaftlern in Bremen, die herausfanden, dass auch nach intensiver Nutzung gewalttätiger Inhalte die Unterscheidung zwischen realer und fiktiver Gewalt funktionierte und die Probanden somit eben nicht zu aggressiverem Verhalten neigten. So viel also zu dem Thema, dass sei “ziemlich unstrittig”.


 

9. Feb. 2010, 02:00 Uhr

LeserInnenbrief von Ben:

mea culpa: es sollte natürlich “Distanzierung” heißen und nicht “Differenzierung”.


 

9. Feb. 2010, 07:06 Uhr

LeserInnenbrief von Redaktion:

@ Ben
Es gibt selbstverständlich eine Redaktion. Unser Prinzip ist allerdings, dass wir Erklärungen und Mitteilungen von Gruppen, Initiativen und Parteien, die wir im weitesten Sinne zur “links-alternativen Szene” zählen, im Wortlaut veröffentlichen oder auf deren Stellungnahmen auf ihren Webseiten verweisen. Wir machen das immer als Zitat deutlich.
Bo-alternativ.de wäre bestimmt langweiliger, wenn wir alle Meldungen zensieren oder kommentieren würden.


 

10. Feb. 2010, 00:09 Uhr

LeserInnenbrief von Thorsten:

Ich habe mir jetzt alle Beiträge (LeserInnenbriefe) hier – teils mehrfach – durchgelesen und komme einfach nicht dahinter, was “Ben” eigentlich sagen will.
Zum Thema an sich äußert sich “Ben” jedenfalls nicht, und auch Vorwürfe gegen die Redaktion oder generell die Berichterstattung auf diesen Webseiten bo-alternativ sind m.E. aus der Luft gegriffen.

Bo-Alternativ berichtet Themen und beschönigt nichts, ebenso wie hier nichts verteufelt wird.

Wenn “Ben” lieber etwas anderes lesen will, ohne sich mit (zeit-) kritischen Dingen auseinander setzen zu wollen, empfehle ich andere Lektüre.
Aber diese gibt es hier – zum Glück – nicht.


 

10. Feb. 2010, 01:30 Uhr

LeserInnenbrief von Ben:

@Thorsten:

Zum Thema habe ich mich geäußert, aber da ich in meinem Kommentar aber auch auf mein eigenes Blog verlinke, will man den offenbar nicht veröffentlichen.

Und zu meiner Anmerkung wegen des Satzes: Die in der Meldung angeführte Behauptung ist unbewiesen, in der Forschung umstritten und – mit der Erweiterung um digitale Medien – eines der Argumente seitens Zensursula gewesen, um die Einführung einer Zensurinfrastruktur im Netz zu fordern und wird regelmäßig von Killerspiel-Gegnern genutzt. Deshalb meine Irritation, dass hier Phrasen und politische Parolen veröffentlicht werden, die weder links, noch alternativ sind, sondern einfach das genaue Gegenteil davon. Wenn’s nun so ist, dass hier einfach alles veröffentlicht wird, was hier zugeliefert wird, dann akzeptiere ich das so.

Ich lese im Übrigen diese Seite auch gerne und finde sie auch sehr lesenswert. Umso größer war denn auch auf einmal meine Irritation, solch einen sonst nur aus den Mündern der CSU-Fatzkes zu hörenden Mumpitz lesen zu müssen.


 

10. Feb. 2010, 19:40 Uhr

LeserInnenbrief von ThorstenA.L.F.:

ich fasse die Kommentare nicht.

In der Erklärung wird eindeutig die normale Denke benutzt um das normale Denken (tote Gans, macht doch nix da als Besoffski vor kleinen Kindern den Kopf abzureissen)zu kritisieren. Es geht darum, dass es immer wieder Disko um Gewaltvideos, Spiele etc. gibt (klar, im bürgerlichen Mainstream)- aber wenns um Tiere geht is alles ok, ist ja nur ne tote Gans.

Nein es ist keine tote Gans, es ist ein ermordetes nichtmenschliches Tier, dass zur Bespassung der Massen aufgehängt und zerfleddert wird- und alle sollen sich da freuen.

Aus antispeziesistischer Sicht, ist die Argumentationskette etwas anders:
Für die Befreiung von Mensch und Tier, eine befreite Gesellschaft kann nur möglich sein, wenn alle (menschliche und nichtmenschliche) Lebewesen frei und für sich leben können. Nicht für uns, nicht als Nahrungsquelle für besoffen gröhlende Machos auf dem Kerbeplatz.
Aus meiner Sicht ist Gänsereiten schlimmer, als Tierfoltern nur mal so auf der Strasse. Es stellt die widerwärtigste Form der Degradierung eines Individuums dar. Es steht für ein zutiefts rassistisch, sexistisch und speziesistisches Denken.

Für die Befreiung von Mensch und Tier
Herrschaft beenden


 

10. Feb. 2010, 20:03 Uhr

LeserInnenbrief von ThorstenA.L.F.:

@ben:
ich ärgere mich ziemlich über Dein Geschreibsel, insbesondere auf Deinem sogenannten “Blog”.

Also: mit Tierschutz haben wir als Tierrechtler nichts gemein.

Wir benutzen in der Argumentation genauso wie den Vergleich zu Spielen/ Videos den Begriff der Kulturhauptstadt. Diese ist mir übrigens auch sowas von egal. Aber wir verfolgen ein Ziel, wir haben nämlich (vielleich merkt man es ein klein wenig) vor, das Gänsereiten zu stoppen.
Und da tummeln sich die volkstümelnden Bürgerlichen CDUSPDFDP-Fatzkes die der Meinung sind, sie müssten ihre ach so tolle Kultur vor dem Kulturimperialismus retten.
Was gab es nicht alles für “Kultur”, würdes Du als Südstaatler auch Sklaverei gerettet haben wollen?
Ja, so sehen wir Tierausbeutung. Wir sehen den Kampf für die Befreiung der nichtmenschlichen Tiere als emanzipatorisch und Voraussetzung für eine befreite, herrschaftsfreie Gesellschaft an.

So, auf Bens Blog mag ich nicht posten. Für mich ist hiermit alles gesagt.


 

10. Feb. 2010, 23:28 Uhr

LeserInnenbrief von Michael:

“…wie hier ein alternativer Auswuchs der regionalen Kultur dem Mainstream und pc-Gebrabbel geopfert werden soll, ein bäuerlicher und in seiner Tradition als Karnevaleske die Herrschaft angreifende Brauch unter die Räder eines die Welt gleich machenden Kulturimperialismus gerät.. ”

alternativer Auswuchs = Gänsen den Kopf abreißen

pc-Gebrabbel = Tierrechte

ein die Herrschaft angreifender Brauch = Mittelständler und Kleinhonoratioren, die sich vor dem “Volk” zum Gänsereiterkönig küren lassen

gleichmachender Kulturimperialismus = eine sich wandelnde Vorstellung davon, wie Mensch sich auf der Erde verhalten sollte – Grundwerte

Das ist doch nicht wirklich ernst gemeint, dass die Gänsereiter eine kulturelle Bereicherung darstellen! Stockkonservative Systemwalter, die hier einen Grund zum besaufen gefunden haben! Und krampfhaft an ihrem Recht festhalten wollen, mit dem Lebewesen Tier nach Gutsherrenart verfahren zu dürfen.
Man kann natürlich eine Grenze zwischen Mensch und Tier setzen. Das hat der Mensch ja größtenteils schon immer gemacht. Aber es gibt für genau diese Grenze halt keinen vernünftigen Grund. Und das ist es wahrscheinlich, was Leute wie Ben stört. Sie fühlen sich in ihren Grundwerten gestört, ihre eigene Hierarchie gerät ins wanken. Er müsste selber nach- und umdenken. Also füllt er lieber Luftblasen.


 

11. Feb. 2010, 02:54 Uhr

LeserInnenbrief von Ben:

@ThorstenA.L.F.: An und für sich müsste man jetzt erst einmal darüber sprechen, was überhaupt “normal” sein soll und ob “Normalität” nicht einfach nur ein politischer Kampfbegriff ist. Dann zum Thema Gewalt an Tieren: Wir leben in einer Zeit, in der Fleisch steril produziert wird. Kaum jemand realisiert doch heute noch, was das eigentlich bedeutet, wenn man am Abend ‘n blutiges Steak auf dem Teller liegen hat. Solche Riten aber machen das erlebbar und können dafür sorgen, dass der ein oder andere Zuschauer später etwas bewusster seine Stück Fleisch verspeist.

Es ist aber de facto nur ein Tier. Und der Mensch ist auch nur ein höherentwickeltes Tier. Glaubst Du etwa ernsthaft, dass das Krokodil mit dem Zebra ‘ne Absprache darüber trifft, wie es gerne gerissen werden will? Die Natur ist brutal und widerlich und eben nicht romantisch-verklärt. Es ist ja schön und gut, dass ihr Ideale habt, aber draußen, da wartet die Realität der Natur. Und die ist barbarisch und eben nicht so ideal, wie der Mensch sie gerne immer hätte. Aber nein, diese Vorstellung ist unerträglich und weil der Mensch kein Tier sein darf, sondern Mensch sein muss, versuchen wir jetzt der Natur unsere Konzepte überzustülpen. Ihr redet von Befreiung und oktruiert eurer Umwelt Verhaltensregeln, die rein artifiziell sind. Ich bin mal – und hier werde ich bewusst sehr polemisch – gespannt darauf, wann ihr den Fall Bussard gegen Spitzmaus verhandelt, von wegen der Nichtbeachtung der Rechte der Maus. :rolleyes:

@Michael: Natürlich stellen sie eine kulturelle Bereicherung dar. Die Vorstellung, dass Kultur und kulturelle Riten immer bequem sein und dem Zeitgeist entsprechen müssen, ist keine, die das System Kultur auch nur annähernd begriffen hat. Natürlich müssen Traditionen zur Disposition stehen, wenn sie auf fehlender Selbstbestimmung und dem erzwungenen Eingriff in das Leben anderer Menschen basieren, aber innerhalb dieser Grenzen müssen wir auch Traditionen und Riten tolerieren, die unseren eigenen moralischen Standards widersprechen. Es gibt im Übrigen für kaum einen Ritus einen vernünftigen Grund. Trotzdem akzeptiere ich, dass die Frauen der Padaung sich Metallreifen um den Hals legen, auch wenn mir das persönlich völlig absurd vorkommt. Ich käme nie auf die Idee denen ans Bein zu pinkeln, nur weil die für ein bizarres Schönheitsideal die Rohstoffe der Erde ausbeuten. Das hat übrigens mit einer libertären Lebenseinstellung zu tun.


 

2. Aug. 2010, 11:56 Uhr

LeserInnenbrief von Tanja Müller:

Wir Tierschützer haben erreicht das der Stierkampf in Katalonien verboten wird und das Gänsreiten brauch kein auch niemand der einen klaren Verstand hat !!!


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