Freitag 05.02.10, 16:00 Uhr
Rektorat der Ruhr-Uni streicht Studiengang Angewandte Informatik?

Nicht mehr darstellbar

Die Fachschaft Angewandte Informatik Ruhr-Uni schreibt: »Wie vergangenen Donnerstag, 4. Februar 2010, bekannt wurde, hat das Rektorat der Ruhr-Universtität Bochum angekündigt, drei Professuren an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik nicht wieder zu besetzen. Das Rektorat lies in diesem Zusammenhang weiterhin verlauten, dass der Studiengang Angewandte Informatik (AI) an der Ruhr-Universität Bochum daher nicht mehr „darstellbar“ sei. Der erst seit 2003 existierende Studiengang hat derzeit 528 eingeschriebene Studierende [1] und wird von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik getragen. Dort legt man Wert auf die AI: „Der Studiengang Angewandte Informatik ist innovativ, da er fachübergreifendes Anwendungswissen aus mehreren Bereichen beinhaltet. Durch studiengangübergreifende Übungen und Projekte wird man schon früh im Studium auf den beruflichen Alltag vorbereitet. Denn spätestens im Beruf arbeiten angewandte Informatiker eng mit Elektrotechnikern, Maschinenbauern, Bauingenieuren, Wirtschaftswissenschaftlern oder Sprachwissenschaftlern zusammen“, so die offizielle Darstellung.[2] Weiter heißt es von Seiten der Fakultät: „Die Ruhr-Universität Bochum mit ihren zwanzig Fakultäten bietet ideale Voraussetzungen, Studierenden dieses polydisziplinäre Wissen zu vermitteln“. [3] Bei den Studierenden trifft dieses Konzept auf große Resonanz: „Ich habe mich bewusst für diesen Studiengang an der Ruhr-Universität Bochum entschieden, weil das angebotene Fächerspektrum im ingenieurwissenschaftlichen Bereich in dieser Form richtungweisend und landesweit einmalig ist. Gerade mittelständische Unternehmen in Deutschland fordern von Absolventen dieses Profil.“ so Manuel Beelen. Er studiert Angewandte Informatik im 3. Semester. Umso erschütterter sind die Studierenden darüber, dass von Seiten des Rektorats die erforderlichen Ressourcen für den Fortbestand ihres Studiengangs nicht bereitgestellt werden sollen. Die Entscheidung traf sie vollkommen unerwartet, nachdem erst zu Beginn des laufenden Semesters eine grundlegend neue Prüfungsordnung in Kraft trat, die die Flexibilität für zukünftige Studierende nochmals erhöht. Auch vor dem Hintergrund der vom Rektorat angekündigten Workshops zur allgemeinen Verbesserung der Bachelor-Studiengänge ist diese Maßnahme völlig unverständlich. Joachim Bick, Vertreter der Fachschaft Angewandte Informatik: „Vor dem Hintergrund des andauernden Fachkräftemangels ist es doch Irrsinn in der heutigen Zeit einen solchen Studiengang nicht weiter zu unterstützen. Ich glaube nicht, dass sich das Rektorat ernsthaft für den Erhalt des Studiengangs eingesetzt hat.“ Durch die Abschaffung der Angewandten Informatik gibt das Rektorat die Informatik als eigenständiges Fach an der Ruhr- Universität ersatzlos auf. Damit schränkt es die Perspektiven für Studieninteressierte im Ruhrgebiet weiter ein. Auch andere Fachgebiete, die sich in Lehre und Forschung auf dieses Studienfach stützen, werden durch diese drastische Maßnahme beeinträchtigt. Ohne die Angewandte Informatik wird die Ruhr-Universität dem eigenen Anspruch, ein breitgefächertes Studienangebot bereitzustellen, in Zukunft an einer wesentlichen Stelle nicht mehr gerecht. „Mit diesen Einschränkungen lässt sich für keinen der betroffenen Studierenden an der Ruhr- Universität Bochum mehr mit Sicherheit sagen, ob ein anerkannter Abschluss in diesem auslaufenden Studiengang noch möglich ist. Gerade weil der Studiengang so eng mit den anderen Fakultäten der RUB vernetzt ist, kann er nicht einfach durch Angebote der anderen Ruhrgebiets-Unis aufgefangen werden. Der Verlust wäre nicht wieder wettzumachen“, so Katharina Kohls, Sprecherin der Angewandten Informatik in der Fachschaftsvertreterkonferenz. Die endgültige Entscheidung über den Fortbestand des Studiengangs soll in den nächsten Wochen fallen. In der kommenden Woche finden hierzu voraussichtlich weitere Gespräche statt – ohne die betroffenen Studenten.«

 
 
 
 


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