Donnerstag 26.11.09, 17:00 Uhr

Geschlechterpolitik aus der Mottenkiste

Eine Gruppe von gesellschaftspolitisch interessierten Bochumer Eltern kleiner Kinder fragt die Bochumer SPD-Grünen-Koalition, ob sie zurück zur Hausfrauenehe will und begründet, warum die Vorschläge zu Veränderungen der Kinderbetreuungskosten Geschlechterpolitik aus der Mottenkiste sind. In einem offenen Brief heißt es u. a.: Wir “sind entsetzt über die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Haushaltsicherungskonzept im Bereich der Kinderbetreuung. Sowohl die geplante Verteuerung der 45-Stunden-Betreuung als auch die Aufhebung der Gebührenbefreiung für die Betreuung von Geschwisterkindern erhöhen nicht nur die Lasten für junge Familien, sondern sind auch eine gleichstellungspolitische Rolle rückwärts. Eine 45 Stunden-Betreuung pro Woche ist für eine Vielzahl von Eltern unabdingbar, hervorzuheben sind hier:

  • Alleinerziehende und Familien, in denen beide PartnerInnen voll erwerbstätig sind,
  • Eltern in Ausbildung, Studium und anderen Weiterqualifizierungsmaßnahmen, die entweder in Vollzeit stattfinden oder außerhalb der 35h-Betreuung liegen (Schichtdienst, etc.)
  • Familien, die längere Anfahrtswege haben, zur Arbeit pendeln oder auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind,
  • Eltern, deren Teilzeitarbeitszeiten nicht innerhalb der 35h-Öffnungszeiten liegen
  • Eltern, die aufgrund ihrer beruflichen oder anderer Verpflichtungen die Flexibilität eines 45h-Angebots benötigen auch wenn ihre Kinder nicht täglich neun Stunden betreut sind
  • Eltern, die weitere Kinder haben, die nicht in derselben Einrichtung betreut werden (z.B. Schulkinder)

Die Förderung der 35h-Betreuung ist ein verheerendes Signal: Für viele berufstätige Alleinerziehende ist ein Verzicht auf eine Ganztagsbetreuung unmöglich, wenn sie ihre Arbeitsstelle behalten wollen. Dabei ist bekannt, dass die Erwerbsarbeit von Alleinerziehenden maßgeblich dazu beiträgt, Ein-Eltern-Familien dauerhaft aus dem SGBII-Bezug heraus zu halten. Hier negative Arbeitsanreize zu setzen, erscheint vor dem Hintergrund möglicher Folgekosten gerade auch für die Kommune, die durch den Bezug von Arbeitslosengeld II entstehen, kontraproduktiv.”
Der Brief im Wortlaut.

Ansprechpartnerinnen für die Unterstützung des Briefes sind:
Catherine Gregori, Ehrenfeldstr. 18, 44789 Bochum, c.gregori@gmx.de
Charlotte Ullrich, Erbhof 1, 44791 Bochum, charlotte.ullrich@gmx.de

 
 
 
 


Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de