Mittwoch 21.10.09, 15:00 Uhr
Schlechte Noten für Lebensmittelhandwerk und Gastgewerbe

Fragen zur Qualität der Ausbildung

Zum Stichtag 30.09.2009 hat nicht einmal jeder Zweite bei der Arbeitsagentur gemeldete Bewerber tatsächlich die erste Hürde für seine berufliche Zukunft genommen und einen betrieblichen Ausbildungsplatz ergattert. Jenseits der quantitativen Daten zum Ausbildungsmarkt, hat der DGB gefragt: Wie gut ist die Qualität der Ausbildung? Nach einer großen Umfrage unter Auszubildenden hat er jetzt den Ausbildungsreport 2009 vorgelegt. „Eine hochwertige Ausbildung ist möglich. Zu viele Betriebe jedoch sehen in Auszubildenden vor allem billige und willige Mitarbeiter. Die fachliche Ausbildung leidet darunter. Wir raten deshalb den Arbeitgebern, ihre Hausarbeiten zu erledigen, damit die jungen Menschen optimal ihren zukünftigen Beruf erlernen können”, fasst Michael Hermund, Vorsitzender der DGB Region Ruhr Mark den Befund zusammen.

Für den Ausbildungsreport wurden 2.622 Auszubildende in NRW befragt. Insgesamt ergibt sich ein durchaus differenziertes Bild. So sind 77 Prozent der Auszubildenden zufrieden mit der Ausbildung. Jeder Fünfte klagt jedoch über Mängel. Besonders Friseur/innen, Gärtner/innen, Mediengestalter/innen, Fachkräfte für Veranstaltungstechnik und die Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk vergaben schlechte Noten. Kritikpunkte sind zu viele Überstunden, mangelnde Bezahlung sowie schlechte Anleitung. 13,1 Prozent der Befragten gaben an, „häufig” bis „immer” ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten zu müssen.

39,9 Prozent der Auszubildenden müssen regelmäßig Überstunden machen, bei den Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk sind es sogar 76,7 Prozent. Danach leistet jeder zehnte Auszubildende mehr als sechs Überstunden pro Woche, besonders lange Überstunden finden sich im Hotel- und Gaststättengewerbe.

„Die Ausbildungspläne treten in den Hintergrund, während die Auftragslage den Tag bestimmt. Arbeitsabläufe werden nicht erläutert und die Auszubildenden werden zu Tätigkeiten herangezogen, die mit ihrem künftigen Beruf nichts zu tun haben”, bemängelt Hermund. „Die Ausbildung, das Lernen, gerät völlig in den Hintergrund. Hinzu kommt eine geringe Ausbildungsvergütung. Kein Wunder, dass dies Ausbildungsberufe so unbeliebt sind.”

Dass dies nicht automatisch so sein muss, zeigen Bewertungen in anderen Branchen. Nicht nur Auszubildende im kaufmännischen Bereich, wie etwa Bank-, Büro- und Industriekaufleute sind mit ihrer Ausbildung hoch zufrieden. Mechatroniker/innen und Feinmechaniker/innen sind auf Platz 2 der zehn besten Ausbildungsberufe im Ausbildungsreport zu finden.

Vollständiges Ergebnis:
http://www.nrw.dgb.de/jugend/Ausbildungsreport_2009/index_html

 
 
 
 


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