Donnerstag 27.08.09, 12:00 Uhr

„Rosa Strippe” erinnert am 28. August an NS-Opfer

Schwule und Lesben der Bochumer Beratungsstelle „Rosa Strippe” wollen am Freitag, dem 28. August, mit interessierten BürgerInnen das Kunstprojekt für Europa „Stolpersteine” aktualisieren und durch gemeinsames Putzen der Messingoberflächen im Stadtgebiet Bochums der Opfer des Nationalsozialismus (NS) gedenken. Der mit diesem Projekt in rund 300 Orten in Deutschland, sowie Österreich, Ungarn und den Niederlanden tätige Künstler Gunter Demnig hat auf den Straßen der Stadt seit 2004 bereits 96 handgroße Kopfsteinquader mit der Prägung „Hier wohnte” in die Bürgersteige verlegt. Am jeweiligen Standort der Stolpersteine in Bochumer hatten die Opfer ihren letzten freiwillig gewählten Wohnort. Im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe „Verdammt starke Liebe” wird der dazugehörige Film „Stolpersteine” am 29. Oktober im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte gezeigt.

Die Initiatoren und Initiatorinnen der geplanten Putzaktion am 28. August aus dem Umfeld der „Rosa Strippe” sind vom Motiv des Künstlers begeistert. Demnigs Credo: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”. Und so sollen durch die Reinigungsaktion alle Bochumer „Stolpersteine” in neuem Glanz wieder Beachtung finden. Sodass die Namen der hier einst Lebenden durch das Putzen wieder lesbar werden können und die internationale Erinnerung an die grausam von 1933 bis 1945 Verschleppten auch in Bochum wach gehalten werden kann. Ferner hoffen die Aktiven der Putzaktion, dass sich weitere engagierte Mitmenschen finden, die selbst Pate für ein NS-Opfer und ein damit verbundenes Stolpersteinverlegen in der Stadt werden wollen. Mittlerweile sind mehr als 13.000 solcher Erinnerungsorte in Mitteleuropa vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer platziert worden. Teil des persönlichen Engagements sind Nachforschungen über bisher vergessene Personen, die die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs Bochum unterstützen.
„Die Stolpersteine liegen in der Regel seit mehreren Jahren, das Messing ist stumpf geworden, die Stolpersteine dadurch wenig sichtbar. Auch nach unserer ersten Putzaktion 2008 in Bochum ist der Glanz verschwunden, die Namen schlecht lesbar – das soll sich ändern”, beschreibt Jürgen Wenke, Leiter der Beratungsstelle „Rosa Strippe”, die wichtigsten Motive seiner Mitstreiter. Interessierte Bochumer und Bochumerinnen seien herzlich eingeladen, sich an der Putzaktion zu beteiligen. Treffpunkt ist um 17 Uhr vor dem Gebäude der Rosa Strippe, Kortumstraße 143.

Gedenkkultur grenzt Schwule und Lesben bislang aus

Weitere Motive der Putzaktion sieht Jürgen Wenke in der heutigen NS-Gedenkkultur Deutschlands insgesamt. Denn die Aktion solle betonen, dass durch das „work in progress” der Stolpersteine erstmals in Deutschland eine Gedenkkultur unter praktischer Einbeziehung spezieller Opfergruppen möglich werde, die eine höhere Qualität habe als die Bisherige. So seien gerade Schwule und Lesben, aber auch andere Minderheiten wie Sinti und Roma, jahrzehntelang aus aller nationalen Gedenkkultur ausgegrenzt worden. Mit den „Stolpersteinen” entstehe dagegen erstmals ein offenes Kunstwerk für die Opfer des NS, das sehr demokratisch sei und ein hohes Maß an Transparenz habe, ist er überzeugt. Besonders eine Bürgerbeteiligung sei in hohem Maße ermöglicht – also auch die Beteiligung von engagierten Schwulen und Lesben.

 
 
 
 


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