Montag 09.02.09, 16:00 Uhr
Jahresbericht des Flüchtlingssozialdienstes der Medizinischen Flüchtlingshilfe erschienen

Wiederherstellung der Menschenwürde durch psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen

Die Medizinische Flüchtlingshilfe schreibt: »Während jährlich Tausende von Flüchtlingen in den Wellen der Meere spurlos und anonym geopfert werden, kann nur ein Teil von ihnen die Festung Europa erreichen. Große Teile der Flüchtlinge, die in Deutschland einreisen, sind traumatisiert. Sie leben mit einem ungewissen Aufenthaltsstatus in Gemeinschaftsunterkünften mit anderen traumatisierten Flüchtlingen, oft an isolierten Orten, mit sehr eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung und zu Deutschkursen, ohne Arbeitserlaubnis und lange Jahre ohne jegliche Perspektive; dies alles macht diese Menschen krank. Menschen, die unsere Hilfe benötigen, fühlen sich in einer total ausweglosen Situation. Für diese Menschen versucht die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V. (MFH) da zu sein, ebenso für Folteropfer und Überlebende von Krieg und Gewalt, und steht schutzbedürftigen Menschen bei, die ihre Sicherheit in Deutschland suchen. So konnte in den letzten elf Jahren die Stadt Bochum mit ihrer Medizinischen Flüchtlingshilfe immer mehr ein Hoffnungspunkt für viele werden. Ein Überblick über die wichtigsten Daten aus dem Jahr 2008: Insgesamt haben im Jahr 2008 302 KlientInnen aus 31 Ländern den Flüchtlingssozialdienst der MFH aufgesucht. Die Schwerpunktthemen 2008 waren psychosoziale Beratung mit 45,8 % und Asyl- bzw. aufenthaltsrechtliche Angelegenheiten mit 44,6 %. Seit dem Jahr 2004 ist die Anzahl der psychosozialen Kontakte höher als die der Asyl- und aufenthaltsrechtlichen Themen. Wichtig ist, dass nach der Bleiberechtregelung einige langjährig geduldete Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis nach § 23, Abs.1 des Aufenthaltsgesetzes bekommen haben. Allerdings fallen viele dieser Personengruppe unter das Asylbewerberleistungsgesetz. Die gültige Aufenthaltserlaubnis nach § 23, Abs.1 wird denjenigen, die bis zum 31.12.2009 keine Arbeit finden, die sie komplett von staatlichen Leistungen unabhängig macht, mit großer Wahrscheinlichkeit entzogen. Dadurch wird wegen der Abschiebungsangst und der möglichen, damit verbundenen Retraumatisierung bei vielen dieser Personengruppe wieder ein großer Bedarf nach unserer Begleitung und psychosozialer Versorgung, besonderes bei Familien, entstehen. Im Jahr 2008 konnten nach jahrelanger Begleitung und Unterstützung durch die MFH 38 der Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Ebenso mussten jedoch wegen unerträglicher Belastungen 9 unserer KlientInnen in einer psychiatrischen Klinik therapiert oder in einem Krankenhaus stationär behandelt werden. „Was die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum im Jahr 2008 erreichen konnte, ist das Ergebnis einer kollektiven Arbeit auf einem steinigen Weg, das nur mit der Hilfe und Zusammenarbeit aller MFHMitarbeiter und -Unterstützer ermöglicht werden konnte. Ebenso kann man in vielen Fällen das Engagement einiger Ärzte und Rechtsanwälte sehen, die unsere Arbeit gerne unterstützen wollten“, so Hanif Hidarnejad, Sozialarbeiter und psychosozialer Berater.«

 
 
 
 


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