Sonntag 19.11.06, 22:00 Uhr
Gedenkveranstaltung der VVN - BdA an den Gräbern ermordeter Antifaschisten

Ralf Feldmann: „Die Geschichte ist noch nicht zu Ende“


In strömendem Regen fand heute die Gedenkveranstaltung der VVN-BdA zum Volkstrauertag statt. Klaus Kunold erinnerte daran, dass nicht nur der Ermordeten gedacht wird, die auf dem Friedhof am Freigrafendamm beerdigt sind. Auch Ralf Feldmann unterstrich in der Hauptrede der Veranstaltung, dass dies vor allem der Tag sei „der Erinnerung an die Erniedrigten, Gehetzten und Vernichteten: 6 Millionen Juden, Hunderttausende Sinti und Roma, Zwangsarbeiter, Behinderte, Homosexuelle, die dem Rassenwahn ihrer Mörder zum Opfer fielen“. Vor allem stellte er den Bezug zu aktuellen Entwicklungen her:
„Nie wieder Faschismus? Eine Blutspur zieht sich durch unser Land. 133 Menschen fielen seit 1990 in Deutschland rechtsextremistischer Gewalt zum Opfer, vor allem Migranten, aber auch Obdachlose und Behinderte. Wir werden im Frühjahr nächsten Jahres in Bochum diese Opfer eines neuen Herrenmenschenwahns in einer Ausstellung der Verdrängung entreißen und sichtbar machen. Rechtsextremistische Gewaltkriminalität ist im letzten Jahr erneut gestiegen. Die braunen Knallchargen und Biedermänner in unseren Parlamenten können ihre Hände nicht in Unschuld waschen. Sie sind die geistigen Brandstifter, die Paten für Mord und Totschlag. Immer enger wird die Vernetzung der Schlipsfaschisten mit den militanten rechten Kameradschaften. Sie rühmen sich national befreiter Zonen. In Wahlkämpfen der NPD gibt es wieder rechte Prügeltruppen. Ihre Wahlplakate zeigen tausendfach die Vertreibung muslimischer Frauen mit der zynischen Parole „Gute Heimreise“, abgekupfert von Vertreibungsbildern jüdischer Opfer in Polen auf dem Weg in ihre Vernichtung und versehen mit Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Staatsanwaltschaften Berlin und Bochum. Für das Bundesverfassungsgericht stand der vorhersehbare Hetzzug gegen die Errichtung der Bochumer Synagoge im Einklang mit der öffentlichen Ordnung. Ob braune Horden aus ganz Europa demnächst vielleicht doch wieder in Wunsiedel zur stellvertretenden Ehre des Führerstellvertreters Rudolf Heß aufmarschieren dürfen, darüber muss unser höchstes Gericht noch gründlich nachdenken, weil die Frage so schwierig ist.“ Die Rede im Wortlaut.